Angela Merkel wirbt offen für eine Koalition von Union und FDP nach der nächsten Bundestagswahl. Guido Westerwelle betont hingegen vor allem die Eigenständigkeit der Liberalen. Welche Haltung haben die Julis zum Thema Koalitionspartner? Darüber sprach unser Bundesvorsitzender Johannes im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten (Donnerstagsausgabe). Die Fragen stellte Willi Reiners.
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Willi Reiners: Herr Vogel, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel wirbt für ein Bündnis von Union und FDP, doch Parteichef Guido Westerwelle zeigt die kalte Schulter. Er sagt, die Liberalen seien ihr eigenes Lager. Ist das klug angesichts von Umfragen, die eine Mehrheit von 50 Prozent für Schwarz-Gelb sehen? Und glaubwürdig?
Johannes Vogel: Guido Westerwelle liegt vollkommen richtig. Für diesen Kurs der Eigenständigkeit haben wir JuLis in der Parteiführung gekämpft. Die Liberalen unterscheiden sich klar von anderen Parteien. Auch mit der Union haben wir große Differenzen beispielsweise in der Innen- und Rechtspolitik – Stichwort: Bürgerrechte. Ich finde es absolut richtig, dass wir mit unseren eigenen Politikangeboten in den Wahlkampf gehen.
Reiners: Aber herrscht an der Basis nicht eine ganz andere Stimmung? Dort gibt es doch ein klares Votum für ein Bündnis mit der Union.
Vogel: Sind Sie sich da sicher? Ich glaube, die Stimmung ist in den Regionen sehr unterschiedlich. Es gab immer schon Stimmen, die dagegen waren, sich sklavisch an einen Koalitionspartner zu binden. Aber natürlich wäre es verlogen, wenn die Partei jetzt vollkommen ausblenden würde, dass ein Bündnis mit der Union derzeit wahrscheinlicher ist als jede andere Konstellation. Im Übrigen: Umfragen kommen und gehen. Noch vor einem Jahr ging alle Welt davon aus, dass es im Bund nur für Dreierkonstellationen reicht. Ich freue mich, dass es nun wieder anders aussieht.
Reiners: Das aktuelle Taktieren ist für die Liberalen neu. Wie sehr spielt dabei eine Rolle, dass Westerwelle dazu verdammt ist, die Partei 2009 wieder in die Regierung zu führen? Muss er sich nicht schon deshalb alle Optionen offenhalten, weil der Druck auf ihn so enorm ist?
Vogel: Natürlich wollen wir alle regieren, allen voran der Vorsitzende. Wir wollen eigene Inhalte umsetzen. Dazu muss man sich eine gewisse Offenheit erhalten.
Reiners: Ist der Druck so groß, dass es eine Ampel geben wird, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht?
Vogel: Der Wille, etwas von unserem Programm umzusetzen, ist stark. Deshalb sollten wir keine Alternativen ausschließen. Wenn SPD und Grüne bereit sind, wesentliche Teile unseres Programms umzusetzen und eine liberale Wirtschaftspolitik zu machen, bin ich der letzte, der sagt, das kommt mit uns nicht in Frage. Uns ist klar, dass wir wahrscheinlich keine absolute Mehrheit holen. Insofern müssen wir mit irgendjemandem regieren.
Reiners: Gibt es kurz vor der Wahl doch noch eine Koalitionsaussage?
Vogel: Vielleicht gibt es eine, vielleicht auch nicht. Wir als Liberale sollten uns beide Optionen offenhalten.